Rassistisches Blackfacing im ARD

Vergangenen Samstag wurde in der Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ im ARD  auch folgender Sketch ausgestrahlt: Moderator Guido Cantz hat sich in die Schweizer Sendung „Happy Day“ eingeschlichen, um den dortigen Moderator Rudi Köller ganz raffiniert auszutricksen.

Konzept der Sendung ist es, Menschen ihre Wünsche zu erfüllen. In diesem Fall  sollte Francesca ihr größter Wunsch erfüllt werden: ihren Vater, der in Südafrika lebt, kennenzulernen. Vor dem großen Wiedersehen, gab es erst einmal ein Bild: ein Mann mit Hut und zwei Giraffen im Hintergrund. Die Giraffen sollten – wie in so vielen Fällen – unterstreichen, dass sich der Mann in Afrika befindet.

Was der Moderator Köller anscheinend nicht weiß ist, dass Francesca eine Schauspielerin ist. Auch der eintretende Vater ist nicht ihrer: Es ist der verkleidete Guido Cantz. Der hat sich Gesicht und Hände braun schminken und größere Lippen aufkleben lassen. In dieser künstlichen Aufmache und mit random-akzentuiertem Englisch stellt er sich Francesca als ihr Vater vor und versucht, sie davon zu überzeugen: „Hello, I’m yo fadda!“. Daraufhin entsteht ein Chaos: Der Moderator Köller, überzeugt, dass ein schwarzer Südafrikaner nicht der Vater Francescas sein kann, möchte den Menschen vom Sicherheitsdienst heraus begleiten lassen, anstatt ihn zu fragen, warum er so überzeugt eingetreten ist. Ein zweiter Vater betritt das Studio, diesmal ein weißer Mensch, Köller denkt, das muss nun der Richtige sein und stellt ihn Francesca vor. Erst als Köller von Francescas Mutter dazu bezichtigt wird, der wirkliche Vater zu sein, beginnt Cantz seinen Scherz aufzulösen.

Der Sketch bedient sich der alten und rassistischen Praxis des Blackfacing: Ein weißer Mensch schminkt sich schwarz oder braun und fügt eventuell noch einem physischen Stereotyp hinzu: wie bei Cantz die dicken Lippen oder in anderen Fällen schwarze Locken. Im Bereich des Komischen zielt eine solche Verkleidung und stereotype Darstellung darauf ab,  das in der Mehrheit weiße Publikum zu belustigen.

Die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) hatte sich im Voraus  in einem Statement geäußert, in dem sie um den Verzicht der Ausstrahlung und eine Entschuldigung der ARD gebeten hatte. Der Satz „Der Spaß hört da auf wo Rassismus beginnt!“, ist dem Anschreiben vorangestellt.

Der ARD hat den SWR-produzierten Sketch trotz der Bitte ausgestrahlt. Der SWR veröffentlichte eine allzu schlappe Stellungnahme, Cantz schlüpfe schon seit Längerem in alle möglichen Rollen, die Figur sei weder diffamierend, diskriminierend oder verletzend angelegt gewesen.

Der Diskurs über Blackfacing ist keineswegs neu und wurde in den letzten Jahren des Öfteren durch ähnliche Vorkommnisse angestoßen. Vor allem von öffentlich-rechtlichen Sendern dürften sich Beitragzahlende ein reifes Bewusstsein gegenüber diskriminierneden Inhalten wünschen. In der Stellungnahme der ISD ist diesbezüglich zu lesen:

„Es ist Aufgabe öffentlich-rechtlicher Sender, die von der Bundesrepublik ratifizierten Menschenrechte zu fördern, nicht sie zu untergraben. Die Verbreitung negativer Stereotypen in einer kolonialrassistischen Tradition verstößt gegen diesen Auftrag in eklatanter Weise. Konkret ist es menschenrechtlich ausdrücklich geboten, dafür Sorge zu tragen, dass Medien diskriminierende, stereotypisierende Vorurteile über Menschen afrikanischer Herkunft nicht verbreiten [mit Verweis auf  die General Recommendation Nr. 34 des UN-Antirassismus-Ausschusses, Abs. 30 ff. vom  30.9.2011]“

 

Autor_in: Nora Mittelstädt

 

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